Histaminintoleranz: Was Jeder wissen sollte!

Histaminintoleranz: Was jeder wissen sollte!

Histaminintoleranz: Warum Du unbedingt darüber lesen solltest

Seit fast zehn Jahren leide ich unter einer Histaminintoleranz. Was das nun wieder sein soll? Davon hatte ich davon auch keine Ahnung. Leider. Denn das hätte mir viele Jahre Leidensweg erspart. Was man darunter versteht und warum es so wichtig ist, dass mehr Menschen davon wissen, möchte ich Dir heute näher bringen.

Was ist eine Histaminintoleranz?

Als Histaminintoleranz bezeichnet man einen körperlichen Zustand, bei dem Histamin im Körper nur unzureichend durch Enzyme abgebaut wird und dadurch zu vielfältigen Symptomen führt. Aber mal ganz vorne angefangen:

Histamin ist der Botenstoff, den der Körper bei einer Immunreaktion, unter anderem bei einer Allergie, ausschüttet. Er kann also im Körper hergestellt und auch wieder abgebaut werden. Histamin ist aber außerdem in fast allen Nahrungsmitteln enthalten, in manchen wie Käse oder Rotwein sogar in sehr hohen Dosen. Bei einem gesunden Menschen wird dieses Histamin im Dünndarm aufgespalten und damit unschädlich gemacht. Wenn allerdings nicht genügend arbeitende Enzyme (Diaminoxidase) zur Verfügung stehen, gelangt das Histamin mit dem Nahrungsbrei in den Dickdarm und geht dort ins Blut über. Bei ein bisschen Histamin merkt man noch nicht viel, aber ab einem gewissen Punkt löst das Histamin Reaktionen aus. Und je mehr es wird, desto stärker die Reaktion. Diese Reaktionen fallen genauso vielfältig aus wie bei einer Allergie: Es kann die Haut betroffen sein ebenso wie Schleimhäute, Kopfbereich, Herz-Kreislauf, usw. Im Prinzip kann Histamin an jeder Zelle im Körper andocken und daher ein Zuviel auch überall für Ärger sorgen.

Gleichzeitig wird in Leber und Nieren Histamin, das sich bereits im Blut befindet, egal ob aus der Nahrung oder körpereigens produziert, wieder abgebaut. Dafür sind andere Enzyme (Histamin-N-Methyltranserase) verantwortlich und auch sie arbeiten bei manchen Menschen weniger gut. Dann dauert es sehr lange, Histamin im Blut wieder abzubauen.

Wie stellt man eine Histaminintoleranz fest?

Das klingt alles irgenwie kompliziert? Ist es auch! Und wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum Ärzte eine solche Enzymschwäche meist gar nicht oder sehr spät erkennen. Auch die Medizin-Studenten lernen erst seit wenigen Jahren, dass es das überhaupt gibt – manche bezweifeln das sogar bis heute.

Deshalb haben die Betroffenen selten das Glück, zum Arzt zu gehen und eine Diagnose zu erhalten. Stattdessen haben die meisten einen jahrelangen Weg hinter sich, bis sie irgendwann auf einen guten Arzt oder einen Laien wie Dich treffen, der die Lage erkennt. So wie bei mir. Nachdem es mir schleichend immer schlechter und schlechter ging und ich keine Ahnung hatte, warum, stellte ich irgendwann fest, dass es etwas mit Essen zu tun hatte. Also ging ich zum Gastroenterologen, dem Spezialisten für Verdauungsangelegenheiten. Er machte verschiedene Tests. Glutensensitivität, Zöliakie, Laktose- und Fruktoseintoleranz. Allergietests. Blutbild. Darmspiegelung. Alles ohne Ergebnis. Seine Diagnose: Reizdarm. Ich solle magenschonend essen.

Nur durch Zufall bzw. eine Freundin, die Medizin studierte, stieß ich sehr viel später auf die Histaminunverträglichkeit. Ein kleiner Artikel in einem Online-Magazin. Dort wurde empfohlen, bei Verdachte eine zweiwöchige Kartoffel-Reis-Diät zu versuchen. Also aß ich fast zwei Wochen lang nichts anderes als Kartoffeln und Reis. Nicht einmal Salz oder Pfeffer. So gut ging es mir schon lange nicht mehr. Der Gastroenterologe aber, den ich danach wieder aufsuchte mit der Bitte um Klärung, beharrte auf seiner Diagnose. Reizdarm. Nur nach hartnäckigem Verlangen nahm er Blut ab und schickte es ins Labor. Eine Untersuchung, für die man übrigens selbst zahlt. Neue Diagnose: Histaminintoleranz.

Nach der Diagnose: Ernährungsumstellung

So oder so ähnlich geht es vielen Betroffenen. Und nur mit der Diagnose kann man einigermaßen verstehen, von welchen Lebensmitteln dieser unleidliche Zustand kommt. Und irgendwann wieder normal leben. Trotzdem hat es bei mir noch viele Monate bis Jahre gebraucht, bis ich mich körperlich wieder stabilisiert hatte. Denn auch wenn im Internet und in Büchern viele Listen kursieren, welche Lebensmittel man als Betroffener essen darf und welche nicht, ist das leider nicht so einfach. Denn es gibt viele weitere Faktoren neben dem reinen Histamin in der Nahrung, die den Zustand beeinflussen können.

Am Ende muss jeder selbst lernen, auf welche Lebensmittel er wie reagiert und ein Gespür dafür bekommen, wann er manche Dinge vielleicht doch essen kann. Denn bei einer Histaminintoleranz ist das nicht wie bei einer Allergie, dass schon kleine Mengen eine Reaktion auslösen. Vielmehr hat jeder Körper eine Toleranzschwelle für die Menge an Histamin im Blut. Und wenn es zu viel wird, fangen die Symptome an. Wenn man weit unter der Grenze liegt, kann man auch mal „sündigen“, ohne viel zu bemerken.

Das Wissen verbreiten

Den Weg der Ernährungsumstellung nach der Diagnose muss also jeder selbst gehen. Ich hoffe, dass in der nächsten Zukunft zumindest der Weg zur Diagnose ein wenig einfacher wird. Wenn also Du selbst oder jemand in Deinem Umfeld unter einem Zustand leidet, behalte das Histamin im Hinterkopf. Erzähle davon, sodass sich die betroffenen informieren können. Häufig denken die Betroffenen nämlich selbst schon, dass sie unter „etwas Psychischem“ leiden. Der Zustand ist einfach so schwer greifbar und auch wenn Du darauf achtest, was Du isst, ohne das entsprechende Hintergrundwissen bist Du da völlig hilflos. Der Bluttest kostet keine 40 €, kann aber ein Leben wirklich verändern. Denn mit der Diagnose steht man endlich nicht mehr wie ein Hypochonder da und kann etwas unternehmen.

Und weiter?

Die Diagnose „Histaminintoleranz“ ist dabei keine Endstation. Es gibt verschiedene Ursachen und damit auch verschiedene Auswege aus der Krankheit, die eigentlich nur eine Enzymschwäche ist. Einige davon zeige ich auf meinem Blog Sonnengeflecht auf – ich freue mich, wenn Du mal vorbei schaust!

Mir ist es nach einem langen Weg, einer Schwangerschaft und einer Stillzeit gelungen, ein weitgehend symptomfreies Leben zu führen. Auch wenn das Histamin sicherlich meine Schwachstelle bleiben wird.



Hier gibt es noch einen Wissenschaftlichen Beitrag zur Histaminintoleranz




Quelle
http://sonnen-geflecht.de

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