Studie: 90% der Krebsfälle passieren nicht aus Zufall

Studie: 90% der Krebsfälle passieren nicht aus Zufall

Krebs entsteht doch nicht zufällig

Als Forscher an der Johns Hopkins University im Januar 2015 betonten, dass viele der Krebsfälle auf das Konto von „Unglück“ bei zufälligen Mutationen gingen, die bei der Zellteilung entstehen – und nicht auf unsere Gene oder Umweltfaktoren zurückzuführen seien, wurde dadurch eine öffentliche Gesundheitsdebatte angestoßen, die für einige Aufregung sorgte.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation gab zu der Zeit eine Presseerklärung heraus, die besagte, dass die Agentur der Schlussfolgerung des Berichts „vehement widerspricht“. Es hieß, “ es sei irreführend, zur Schlussfolgerung zu kommen, dass ‚Unglück‘ die Hauptursache für Krebs sei, und von den Bemühungen ablenken könne, die wahren Ursachen der Krankheit zu bestimmen und effektiv zu verhindern“.

Das New Yorker Krebsforschungsteam

Yusuf Hannun und sein Krebsforschungsteam an der New Yorker Stony Brook University analysierten mathematische Modelle, epidemiologische Daten und Muster von Krebszellenmutationen, um den Einfluss von Umweltfaktoren auf das Krebsrisiko zu bestimmen.

Ein Jahr später warfen sie die Ergebnisse der Johns Hopkins University über den Haufen, indem sie folgerten, dass Mutationen während der Zellteilung selten zu Krebs führen – selbst bei Gewebe mit relativ hohen Zellteilungsraten – und dass bei beinahe allen Krankheitsfällen ein bestimmtes Maß an Einflüssen von Umweltfaktoren wie Karzinogenen notwendig war, um Krebs auszulösen. Ultraviolette Strahlung und Rauchen wurden als weitere vermeidbare Risiken identifiziert.

Krebsfälle werden durch Lebensstil begünstigt

Hannun und sein Team sahen sich auch an, wie sich die Krebsfälle in Übereinstimmung damit änderten, wo die Leute leben, wenn sie von einem Gebiet mit niedrigem Risiko in ein Gebiet mit hohem Risiko umzogen, und es mit dem höheren Risiko des Gebietes aufnahmen. Hannun sagte zur BBC:

Externe Faktoren spielen eine große Rolle, und die Leute können sich nicht hinter unglücklichen Umständen verstecken. Sie können Nichtraucher sein und sagen, es sei Unglück, wenn sie Krebs bekommen. Es ist wie ein Revolver, das darin enthaltene Risiko ist eine Patrone. Und wenn man russisches Roulette spielt, dann wird vielleicht einer von sechs Krebs bekommen – das ist das darin enthaltene Unglück.

Nun, was ein Raucher tut ist, dass er zwei oder drei weitere Patronen in diesen Revolver steckt. Und dann zieht er ab. Es gibt immer noch ein Zufallselement, da nicht jeder Raucher Krebs bekommt, aber ihre Chancen stehen schlecht. Vom Standpunkt der öffentlichen Gesundheit aus betrachtet, wollen wir so viele Patronen wie möglich aus dem Patronenlager entfernen.

Indem sie betonten, dass 10 bis 30% der Krebsfälle auf interne Faktoren oder „Glück bzw. Pech“ zurückzuführen seien, aber Einflüsse durch Giftstoffe und Strahlung das Risiko für die Entstehung von Krebs um 70 bis 90% erhöhen, kamen die Forscher von der Stony Brook University zu der Schlussfolgerung, dass die Ergebnisse „wichtig für die strategische Verhinderung von Krebs, die Forschung und öffentliche Gesundheit seien“.

Während der Johns Hopkins-Mathematiker Cristian Tomasetti, einer der Autoren der Studie des Januar-Aufsatzes, argumentierte, dass die Stony Brook-Studie nicht für bestimmte Charakteristiken des Tumorwachstums gelte, begrüßten andere Spezialisten die neuen Ergebnisse.


Der Tweet

„ Eine großartige Grafik…über Risikofaktoren für Krebs. Veränderungen des Lebensstils sind wichtiger als alles andere! – [im Uhrzeigersinn:]
  • Tabak (30%),
  • Ernährung bei Erwachsenen/Fettleibigkeit (30%),
  • sitzender Lebensstil (5%),
  • Alkohol (3%),
  • Salz/andere Nahrungszusatzstoffe/Verunreinigungen (1%),
  • Ionisationsstrahlung/ultraviolette Strahlung (2%),
  • berufsbedingte Faktoren (5%),
  • Viren/andere biologische Vorgänge (5%),
  • Familienvorgeschichte bei Krebs (5%),
  • geburtsbedingte Faktoren/Wachstum (5%),
  • reproduktive Faktoren (3%),
  • sozioökonomischer Status (3%),
  • Umweltverschmutzung (2%),
  • verschreibungspflichtige Medikamente/medizinische Eingriffe (1%)“

Krebsfälle haben viele Faktoren

Für viele der üblichen Krebsarten kommt diese Studie zu dem Ergebnis, dass mindestens 70 bis 90 Prozent auf externe Riskofaktoren zurückzuführen sind – grob gesagt, dass 70 bis 90 Prozent nicht auftreten würden, wenn wir all die Risikofaktoren wegzaubern könnten.

Selbst wenn jemand wichtigen externen Risikofaktoren ausgesetzt ist, ist selbstverständlich noch nicht sicher, dass Krebs entsteht. Aber diese Studie demonstriert erneut, dass wir deutlich mehr im Blick haben müssen als von reiner Glückssache auszugehen, wenn wir Krebs verstehen und uns dagegen schützen wollen.

Und das tut Paul Pharoah, Krebsepidemiologie-Professor an der Universität Cambridge: Diese Ergebnisse beinhalten zwar keinerlei Implikationen für die Behandlung von Krebs, aber sie sagen uns, dass die meisten Krebsfälle vermeidbar wären, wenn wir all die äußerlichen Risikofaktoren kennen würden, die die Krankheit verursachen.



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