Die Verbindung zwischen Kaffee und dem Endocannabinoid-System

Die Verbindung zwischen Kaffee und dem Endocannabinoid-System

Kaffee ist eine komplexe Substanz und – wie eine neue Studie zeigt – auch ihre metabolischen Wechselwirkungen sind komplex. Überraschenderweise beeinflusst Kaffee die gleichen Regionen des Gehirns wie Cannabis.

Obwohl Studien über den gesundheitlichen Nutzen des Kaffees – oder dessen Fehlen – fast täglich veröffentlicht werden, sind seine tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesundheit noch wenig bekannt. Einige Studien haben gesundheitliche Vorteile gefunden, andere kamen zu dem Schluss, dass Kaffee das Sterberisiko verringern könnte, und andere zogen keine soliden Schlussfolgerungen.

Diese Verwirrung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, und eine davon ist die Schwierigkeit, Ursache und Wirkung in großen, bevölkerungsbezogenen Studien zu trennen. Wer viel Kaffee trinkt, kann zum Beispiel auch weniger schlafen, mehr Tabak rauchen oder weniger Wasser trinken. Diese Faktoren verschmutzen die statistischen Gewässer. Außerdem ist Kaffee ein unglaublich komplexes Biest. Er enthält mehr als 1.000 Aromastoffe, deren Gehalt je nach Art der Kaffeebohne und ihrer Zubereitung variiert.

Die Metaboliten des Kaffees

Vor kurzem hat eine Gruppe von Forschern der Northwestern University in Chicago, IL, einen detaillierten Blick auf die Auswirkungen des Kaffeekonsums auf unsere interne Chemie geworfen. Ihre Ergebnisse wurden diese Woche im Journal of Internal Medicine veröffentlicht.

An der 3-monatigen Studie nahmen 47 Personen teil, die in Finnland lebten. Im ersten Monat tranken die Teilnehmer überhaupt keinen Kaffee, im zweiten verzehrten sie vier Tassen pro Tag und im dritten Monat acht Tassen pro Tag.

Mit Hilfe fortschrittlicher Profiling-Techniken kontrollierte die Hauptautorin Marilyn Cornelis und ihr Team nach jedem Stadium den Gehalt von mehr als 800 Metaboliten im Blut. Metabolite sind Chemikalien, die während des Stoffwechsels entstehen. Sie sind in der Regel kleine Moleküle und erfüllen eine Reihe von Funktionen innerhalb und zwischen den Zellen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei erhöhtem Kaffeekonsum die am Endocannabinoid-System beteiligten Blutstoffwechselprodukte zurückgingen. Dies ist das System, das dem Cannabis seine entspannende und medizinische Wirkung verleiht.

Interessanterweise war der Effekt des Kaffeekonsums auf das Endocannabinoid-System das Gegenteil von Cannabiskonsum: Endocannabinoid-Neurotransmitter sanken mit dem Konsum von acht Tassen pro Tag, dafür werden die Werte durch Cannabiskonsum erhöht.

Endocannabinoide könnten Fragen beantworten

Das Endocannabinoid-System hilft bei der Modulation einer ganzen Reihe von Stoffwechselaktivitäten – einschließlich Blutdruck, Kognition, Sucht, Immunität, Appetit, Schlaf und Glukosestoffwechsel. Wenn also der Kaffee dieses übergreifende System beeinflusst, wird er viele neue Forschungswege eröffnen.

“Das sind völlig neue Wege, auf denen Kaffee die Gesundheit beeinträchtigen kann”, sagt Cornelis. “Jetzt wollen wir tiefer gehen und untersuchen, wie sich diese Veränderungen auf den Körper auswirken.”

So wird beispielsweise angenommen, dass das Endocannabinoid-System das Essverhalten beeinflusst. Wie Cornelis sagt, könnte das helfen, “den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Knabbereien” zu erklären. Umgekehrt wurde Kaffee als potenzielle Gewichtsreduktionshilfe betrachtet und kann das Typ-2-Diabetes-Risiko verringern.

“Man nimmt an, dass dies auf die Fähigkeit des Koffeins zurückzuführen ist, den Fettstoffwechsel anzukurbeln, oder auf die glukose-regulierende Wirkung von Polyphenolen (pflanzliche Chemikalien)”, erklärt Cornelis.

“Unsere neuen Erkenntnisse, die Kaffee mit Endocannabinoiden verbinden”, fügt sie hinzu, “bieten alternative Erklärungen, die es wert sind, weiter untersucht zu werden.”

Es wurde auch festgestellt, dass das Trinken von mehr Kaffee die Metaboliten des Androsteroidsystems erhöht. Daraus folgt, dass Kaffee die Ausscheidung von Steroiden beschleunigt. Und weil Steroide an einer Reihe von Erkrankungen beteiligt sind – vor allem an Krebserkrankungen – könnte Kaffee auch hier eine Rolle spielen.

Diese Studie war die erste, die eine solche Tiefe der metabolischen Interaktion zwischen Kaffee und dem Endocannabinoid-System nachgewiesen hat. Zweifellos werden diese neuen Erkenntnisse die Grundlage für die künftige Erforschung einer Reihe von Bedingungen bilden.

Jedoch ist mehr Forschung erforderlich, um zu verstehen, ob die beobachteten Veränderungen in den Metaboliten auf Koffein oder eine der unzähligen anderen Verbindungen in diesen Tassen aus köstlichem schwarzen Gold zurückzuführen sind.


Quellen
annualreviews.org, academic.oup.com, link.springer.com, onlinelibrary.wiley.com

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