Statine können das Risiko der Parkinson-Krankheit erhöhen

Statine können das Risiko der Parkinson-Krankheit erhöhen

Statine

Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweit häufigste neurodegenerative Erkrankung. Weltweit sind rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt – das entspricht knapp zwei Prozent der Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren. In Deutschland sind etwa 250 000 bis 280 000 Personen betroffen.

Studien gehen davon aus, dass sich wegen der alternden Bevölkerung und der mit der besseren Behandlung verbundenen, längeren Lebenszeit die Zahl der Patienten bis 2030 weltweit auf 8,7 Millionen verdoppelt.

Die Patienten sind bei der Diagnose im Mittel 60 Jahre alt, bei fünf bis zehn Prozent der Patienten macht sich die Krankheit schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar. Männer sind ca. 1,5 Mal häufiger betroffen als Frauen.

Statine sind Medikamente, die häufig zur Senkung des “schlechten” Cholesterinspiegels im Blut verwendet werden. Statine, die häufig für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschrieben werden, verbessern die Durchblutung und stellen die Elastizität der Arterien wieder her.

Statine zum Schutz von Gehirnzellen?

In letzter Zeit wächst das Interesse am Potenzial von Statinen zum Schutz von Gehirnzellen und damit zur Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer. Aber die Beweise für diese neuroprotektive Rolle sind uneinheitlich oder hängen von Tiermodellen und Zellkulturen ab.

Xuemei Huang, Ph.D. – Professor für Neurologie am Penn State College of Medicine in Hershey, PA, und Autor der neuen Studie – beschreibt einen weiteren Grund, warum der Nachweis der neuroprotektiven Rolle von Statinen bisher nicht eindeutig war:

“Höheres Cholesterin”, sagt Prof. Huang, “die Hauptindikation, Statine zu verwenden, ist mit dem geringeren Auftreten der Parkinson-Krankheit verbunden. Das machte es schwer zu erkennen, ob die schützende Wirkung des Statins auf das Medikament oder den bereits vorhandenen Cholesterinspiegel zurückzuführen ist.” Doch die neue Forschung, die Prof. Huang mit ihren Kollegen durchgeführt hat, trägt diesem Umstand Rechnung.

Dr. Guodong Liu, Co-Autor und Assistenzprofessor für Gesundheitswissenschaften, erklärt: “Eine Diagnose von Hyperlipidämie, einem Marker für hohe Cholesterinwerte, war mit einer niedrigeren Prävalenz der Parkinson-Krankheit verbunden. Wir haben diesen Faktor in unserer Analyse berücksichtigt.”

Die neuen Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Movement Disorders veröffentlicht.

Fettlösliche Statine können das Risiko einer Parkinson-Krankheit erhöhen

Das Team untersuchte die Schadensfalldaten von 50 Millionen Menschen. Davon wurden 22.000 Menschen mit Parkinson-Krankheit ausgewählt, von denen 2.322 neu diagnostiziert wurden.

Die Forscher wählten auch eine Kontrollgruppe von Personen aus, die keine Parkinson-Krankheit hatten. Sie identifizierten dann die Patienten, die Statine eingenommen hatten, und bestimmten die Dauer der Anwendung, bevor ihre ersten Parkinson-Symptome auftraten.

Die Studie ergab, dass die Verwendung von Statinen mit einem höheren Risiko für die Entwicklung der Parkinson-Krankheit korreliert. Dieser Effekt war zu Beginn der Statin-Behandlung stärker, genauer gesagt, bei einer Statin-Anwendung von unter 2,5 Jahren.

Zudem war der Verbund für so genannte lipophile Statine stärker. Die meisten Statine sind lipophil und umfassen Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Cerivastatin, Pitavastatin und Simvastatin. Sie werden lipophil genannt, weil sie in Lipiden diffundieren, während hydrophile Statine in Wasser diffundieren.

Erstere können sich breiter in verschiedenen Geweben verteilen, da sie leichter in die Zellen gelangen. Lipophile oder “fettlösliche” Statine können auch das Gehirn erreichen, wasserlösliche hingegen nicht.

Prof. Huang weist darauf hin, dass die Ergebnisse den bisherigen Überzeugungen widersprechen, dass lipophile Statine eine neuroprotektive Wirkung haben können.

Statine schaden dem Gehirn, anstatt es zu schützen

“Der Einsatz von Statin war mit einem höheren und nicht mit einem niedrigeren Risiko für die Parkinson-Krankheit verbunden, und die Assoziation war für lipophile Statine auffälliger, eine Beobachtung, die nicht mit der aktuellen Hypothese übereinstimmt, dass diese Statine Nervenzellen schützen”, sagt Prof. Huang.

Schließlich verweist Prof. Huang auf frühere Forschungen, die darauf hindeuteten, dass ein Abbruch der Behandlung mit Statinen zur Parkinson-Krankheit führen kann.

Stattdessen schlägt sie aufgrund der Ergebnisse der neuen Studie vor, dass der “Einsatz von Statinen zu neuen krankheitsbedingten Symptomen bei Parkinson führen kann, was dazu führen könnte, dass die Patienten aufhören, Statine zu nehmen”.

Obwohl mehr Studien notwendig sind, um diese Ergebnisse besser zu verstehen, plädiert Prof. Huang für einen vorsichtigen Einsatz von Statinen, insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Parkinson-Krankheit.


Quellen

medicalnewstoday.com, onlinelibrary.wiley.com, parkinson-gesellschaft.de