Wie wichtig ein gutes Sozialleben für unsere Gesundheit ist

Wie wichtig ein gutes Sozialleben für unsere Gesundheit ist

Ein gutes Sozialleben

Mehr Bewegung, eine gute Ernährung, etwas Gewicht reduzieren oder mit dem Rauchen aufhören – wir können sehr viel für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden tun.

Was dabei oft in den Hintergrund rückt ist das eigene Sozialleben, Beziehungen, Familie und Freunde. Allerdings sind diese noch häufig zu wenig beachteten Faktoren wichtig für ein gesundes, ausgeglichenes und zufriedenes Leben.

Einsamkeit schadet der Gesundheit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Einsamkeit, Isolation und das Fehlen von Beziehungen zu anderen Menschen kann unglücklich und auf Dauer sogar krank machen.

Dauerhaft einsame Menschen leiden oft unter Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Kreislaufstörungen. Zudem produzieren sie große Mengen an körpereigenen Stresshormonen und sind gefährdet zu viel Alkohol oder ungesundes Essen zu konsumieren.

Zum Beispiel zeigte die Women’s Health Initiative, eine große Langzeitstudie in den USA, dass eher feindselig eingestellte Frauen ein deutlich höheres Risiko hatten Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln oder zu sterben.

Außerdem wurden im Rahmen der selben Studie bei Frauen mit guten Sozialleben und großem sozialen Umfeld niedrigere Entzündungswerte im Blut beobachtet als bei Frauen, die unter sozialen Belastungen litten. Daher kann also ein gutes und belastbares soziales Umfeld auch vor Krankheit schützen.

So stellten Mitarbeiter der Brigham Young University in Utah bei einer Auswertung von 148 Studien fest, dass ein gutes und fürsorgliches soziales Umfeld das Risiko zu sterben um die Hälfte senkt.

Diese Effekte wurden unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status, wie zum Beispiel dem Beruf, beobachtet. Die Auswertung der Wissenschaftler deutete darüber hinaus daraufhin, dass Einsamkeit genauso schädlich für die untersuchten Teilnehmer war wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel.

Ein gesundes Sozialleben fördert die Gesundheit und stärkt das Immunsystem

Freundschaften wirken sich positiv sowohl auf den Körper als auch auf die Psyche aus. So konnten britische Forscher nachweisen, dass Menschen mit gesundem Freundeskreis seltener an Depressionen leiden.

Das soziale Umfeld gibt uns Unterstützung, Sicherheit und Nähe. Es hilft uns mit belastenden Situationen umzugehen. In Gesellschaft von Freunden verbessert sich der Umgang mit Belastungen und Stress, das schützt vor negativen körperlichen Folgen und stärkt unter anderem das Herz-Kreislaufsystem.

Auch das Immunsystem profitiert von verlässlichen Beziehungen und sozialem Rückhalt. Unsere Immunabwehr ist ein sehr komplexes System, das von vielen Dingen beeinflusst wird. So können gesunde Ernährung oder ausreichend Bewegung und Schlaf unsere Abwehrkräfte stärken.

Belastungen, wie zum Beispiel chronischer Stress hingegen, können das Immunsystem schwächen und zu einer Anfälligkeit für Infekte oder Entzündungen führen.

Ein eingeschränktes Sozialleben und angespannte Beziehungen zu Freunden oder Familie können ein Gefühl des Alleinseins auslösen, welches zu einer chronischen Belastung werden kann.

Dabei sind vor allem längerfristige psychische Belastungen oder Einsamkeit problematisch, die dann zu einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten und einem verminderten Wohlbefinden führen.

Diese Beeinträchtigung der körpereigenen Abwehr kann unter Umständen sogar in der Erbinformation in den Zellen unseres Körpers nachgewiesen werden.

Wann ist Einsamkeit schädlich?

Die Einsamkeit ist ein subjektiver Begriff, der nicht verallgemeinert werden kann. So ist nicht entscheidend, eine möglichst große Menge an Freunden anzuhäufen. Vielmehr ist die Qualität der einzelnen Beziehungen wichtig und der Rückhalt, der aus diesen Beziehungen gezogen werden kann.

Die Zufriedenheit eines Menschen wird nicht durch die Anzahl sozialer Kontakte bestimmt. Manchen reicht zum Beispiel ein guter Freund oder der Partner. Einige Menschen möchten sogar ganz unter sich bleiben.

Einsamkeit macht vor allem dann krank, wenn sie unfreiwillig ist und damit zur Belastung wird. In manchen Fällen kann auch das Sozialleben selbst zu einem Risiko werden. Dann wenn nämlich die Beziehungen zu fordernd werden und damit ein sozialer Druck entsteht.

Eine sehr beanspruchende Beziehung ist zum Beispiel die Pflege eines Angehörigen, häufig entwickelt sich beim Pflegenden das Gefühl der Überforderung und Hilflosigkeit.

Aber auch in solchen Situationen kann sozialer Rückhalt stärken, etwa durch hilfreiche Gespräche oder einfach durch Ablenkung. Gerade in solchen Krisensituationen ist ein etwas größeres, funktionierendes soziales Netzwerk, als eine Art Puffer sinnvoll, der hilft mit Belastungen umzugehen und nicht alleine dazustehen.

Deshalb sind vielfältige und vielseitige Beziehungen wichtig, sei es durch Vereine, Sport oder mit Hilfe der Familie.

Was kann ich gegen die Einsamkeit unternehmen?

In manchen Fällen, wenn die Einsamkeit zu einer übermächtigen Belastung wird, kann es hilfreich sein, eine Beratungsstelle oder einen Therapeuten aufzusuchen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Oftmals leiden einsame Menschen auch an einem verminderten Selbstwertgefühl und einem Mangel an Selbstakzeptanz. Deshalb kann es sinnvoll sein, das eigene Verhalten zu ändern und das Selbstbewusstsein zu stärken.

In jedem Fall ist es aber wichtig darauf zu achten Beziehungen aufzubauen, die sozialen Rückhalt verleihen und einem “gut tun”.

Fazit

Fakt ist, durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und einen allgemeinen gesunden Lebensstil kann Erkrankungen vorgebeugt werden.

Wie wichtig aber auch ein verlässliches und fürsorgliches soziales Umfeld für die eigene körperliche Gesundheit ist, zeigt ein grausames Experiment, dass Kaiser Friedrich dem II. zugeschrieben wird.

So soll er im 13. Jahrhundert Untersuchungen zur Ursprache der Menschen durchgeführt haben. Dabei wurden Säuglinge von ihren Müttern isoliert.

Sie wurden mit allem lebensnotwendigen versorgt, aber niemand durfte mit ihnen sprechen, sie trösten, oder gar liebkosen. Dabei wollte Friedrich der II. herausfinden, welche Sprache die Säuglinge auf diese Weise erlernen würden.

Doch das Experiment misslang fürchterlich, denn alle Kinder sollen gestorben sein, aufgrund der mangelnden Zuneigung und Fürsorge ihnen gegenüber.

Ob nun tatsächlich alle Kinder aufgrund mangelnder menschlicher Zuneigung starben sei dahin gestellt.

Tatsächlich zeigen aber auch neuere Untersuchungen, dass ein gut funktionierendes und fürsorgliches soziales Umfeld, sprich Freunde und Familie auf die man sich in ernsten oder belastenden Situationen verlassen kann, eine deutliche Stressminderung bewirken kann und damit verbunden eine erhöhte Belastbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen und körperlichen Leiden.

Solche Menschen werden im Schnitt seltener Krank, weißen niedrigere Entzündungsparamter im Blut auf und sind im Krankheitsfall schneller wieder auf den Beinen, als Menschen die einsam und isoliert leben müssen und die das als Belastung empfinden.

Wie bei vielen Bereichen in der Gesundheit gilt auch beim Aufbau eines sozialen Umfeldes, nicht die Quantität des Soziallebens ist entscheidend, sondern die Qualität.

Somit kann zusammenfassend gesagt werden, dass gute Freunde, eine stabile Partnerschaft und eine funktionierende und positive Beziehung zur eigenen Familie, natürlich am besten kombiniert mit einem gesundheitsbewussten Lebensstil, die Gesundheit fördern und diese auch tatsächlich erhalten können.


Quellen

  • http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/gesundes-sozialleben-warum-gute-freunde-so-wichtig-fuer-die-gesundheit-sind-20180624414320
  • https://www.gesundheitsfundament.de/fundament/soziales-umfeld/
  • http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/psyche-und-gesundheit-freunde-sind-wichtiger-als-die-ernaehrung-a-836049.html
  • https://www.tagesspiegel.de/wissen/psychologie-einsamkeit-macht-menschen-krank/7080868-all.html
  • Busch, Evan L. et al. Social relationships, inflammation markers, and breast cancer incidence in the Women’s Health Initiative. The Breast , Volume 39 , 63 – 69
  • https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/waisenkinderversuche/16645
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