Studie: Starker Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes

Studie: Starker Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes

Eine neue Studie, zur Abschätzung der schädlichen Auswirkungen einer schlechten Luftqualität ergab, einen signifikanten Zusammenhang zwischen Diabetes und Luftverschmutzung. Die Schlussfolgerung, so hoffen die Autoren, wird dazu beitragen, künftige Leitlinien zu gestalten.

Luftverschmutzung und Diabetes sind weltweit für Millionen von Todesfällen verantwortlich. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann Luftverschmutzung zu Lungenkrebs, Atemwegsinfektionen, Schlaganfall und sogar zu Herzerkrankungen führen. (1)

Die Luftverschmutzung ist ein globales Problem, aber die einkommensschwachen Städte sind am stärksten betroffen. Die Luftqualitätsdatenbank – die 2018 aktualisiert wurde – zeigt, dass mehr als 80 Prozent der Menschen, die in städtischen Gebieten leben, Luft atmen, die nicht den WHO-Richtlinien entspricht. (2)

Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die auftritt, wenn die Fähigkeit des Körpers, das Hormon Insulin zu produzieren, reduziert wird, was zu hohen Blutzuckerwerten führt. Diabetes kann behandelt werden, aber Komplikationen können zu Nierenversagen, Herzerkrankungen und Schlaganfall führen.

Daten der WHO zeigen, dass im Jahr 2014 8,5 Prozent der Erwachsenen an Diabetes erkrankten und dass dieser Gesundheitszustand im Jahr 2015 zu 1,6 Millionen Todesfällen führte. (3)

Diabetes und Luftverschmutzung

Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis, MO – in Zusammenarbeit mit dem Veterans Affairs St. Louis Health Care System in Missouri – fanden einen starken Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes.

Dies könnte dazu beitragen, ein neues Bewusstsein für die schädlichen Auswirkungen schlechter Luftqualität zu schaffen. Die Studie wurde kürzlich in der Publikation The Lancet Planetary Health veröffentlicht. (4)

Für die Studie analysierte das Team von Wissenschaftlern die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf eine Gruppe von US-Veteranen ohne Vorgeschichte von Diabetes. Sie folgten diesen Teilnehmern über einen Median von 8,5 Jahren. Sie verwendeten eine Vielzahl von Modellen, die sie gegen andere Parameter, wie z.B. Natriumkonzentrationen in der Umgebungsluft und Frakturen der unteren Extremitäten, testeten.

Diese zusätzlichen Variablen, die nicht mit Diabetes oder Luftverschmutzung in Verbindung gebracht werden, haben die Forscher genutzt, um die Möglichkeit der Messung einer falschen Beziehung auszuschließen.

Basierend auf diesen Analysen schätzen sie, dass die Luftverschmutzung weltweit zu rund 3,2 Millionen Fällen von Diabetes und dem Verlust von 8,2 Millionen Jahren gesunden Lebens im Jahr 2016 beigetragen hat. Diese letzte Zahl entspricht etwa “14 Prozent aller durch Diabetes verlorenen gesunden Lebensjahre”.

“Unsere Forschung zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Diabetes weltweit. Wir fanden ein erhöhtes Risiko, selbst bei geringer Luftverschmutzung, die derzeit von der US-Umweltschutzbehörde (EPA) und der WHO als sicher eingestuft wird”, sagte der leitende Autor Dr. Ziyad Al-Aly.

Er fährt fort: “Das ist wichtig, weil viele Lobbygruppen der Industrie argumentieren, dass das derzeitige Niveau zu streng ist und entspannt sein sollte. Die Beweise zeigen, dass die derzeitigen Werte immer noch nicht sicher genug sind und verschärft werden müssen.”

Wie führt die Luftverschmutzung zu Diabetes?

Der genaue Mechanismus des Zusammenhangs zwischen Luftverschmutzung und Diabetes ist noch nicht bewiesen. Wissenschaftler wissen jedoch, dass einige Schadstoffe – einmal eingeatmet – in die Blutbahn gelangen und mit Geweben und Organen interagieren können. Diese Wechselwirkungen stören letztlich den Organismus und können unter anderem die Insulinempfindlichkeit und -produktion verändern.

Es ist wichtig anzumerken, dass das Risiko von durch Umweltverschmutzung bedingtem Diabetes in Ländern mit niedrigem Einkommen, in denen es keine Luftreinhaltepolitik gibt, wie Indien, China und Indonesien, höher ist, während wohlhabendere Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland ein geringeres Risiko haben.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass das Diabetesrisiko zwischen den niedrigstmöglichen Expositionswerten und den EPA-Richtlinien für Luftqualitätsstandards dramatisch ansteigt. (5)

Mit anderen Worten, selbst auf einem Niveau, das offiziell als “sicher” eingestuft wird, ist das Risiko immer noch beträchtlich. Im Oktober 2017 veröffentlichte die Lancet-Kommission für Umweltverschmutzung und Gesundheit einen Bericht über die schädlichen Auswirkungen der Umweltverschmutzung.Diese neue Studie, die darauf abzielte, neue Beweise zu finden, enthüllte den Nachweis, dass die Luftverschmutzung einen noch größeren Einfluss auf die Gesundheit haben kann und möglicherweise zur Entstehung von Diabetes führt.


Quelle