Lebensmittelzusatzstoffe verändern Darmbakterien und verursachen Darmkrebs

Lebensmittelzusatzstoffe verändern Darmbakterien und verursachen Darmkrebs

Lebensmittelzusatzstoffe verändern Darmbakterien

Von den Krebsarten, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, ist Darmkrebs die dritthäufigste Krebsart auf der Welt und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Neue Forschungen – veröffentlicht in der Zeitschrift Cancer Research – legen nahe, dass ein sehr häufiger Lebensmittelzusatzstoff bei seiner Entwicklung eine Rolle spielen könnte. (1)

Risikofaktoren für die Entwicklung der Erkrankung sind entzündliche Darmerkrankungen (IBDs) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Was IBD und Darmkrebs gemeinsam haben, ist eine Veränderung der Darmmikrobiota. Ein Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Literatur zeigt, dass Veränderungen in der Mikrobiota zunehmend mit Darmkrebs in Verbindung gebracht werden. (2)

Deshalb glaubt Dr. Emilie Viennois, Assistenzprofessorin am Georgia State University Institute for Biomedical Sciences, Atlanta, dass es einen Zusammenhang zwischen einem gemeinsamen Lebensmittelzusatzstoff geben könnte, der die Darmmikrobiota und Darmkrebs verändert.

Die Inzidenz von Darmkrebs nimmt seit Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich zu. Ein wesentliches Merkmal dieser Krankheit ist das Vorhandensein einer veränderten Darmmikrobiota, die eine günstige Nische für die Tumorentstehung schafft.

Dr. Viennois hat ein Forscherteam geleitet, um die Wirkung bestimmter Ernährungsumstellungen bei Mäusen und der Entstehung von Krebstumoren zu untersuchen.

Die Rolle der Darmmikrobiota bei Darmkrebs

Im Darm leben über 100 Billionen Mikroorganismen, darunter Bakterien, Viren und Pilze. Die Mikrobiota besteht aus der physiologischen Wechselwirkung zwischen den Mikroorganismen des Wirtes und den aus der Umwelt eingeschleppten Mikroorganismen.

Die Mikrobiota wird in den ersten Lebensabschnitten erworben und variiert mit jedem Individuum. Eine vielfältige und ausgewogene Mikrobiota ist entscheidend für ein gesundes Immunsystem.

Schwere Veränderungen in der Mikrobiota, entweder als Folge einer Änderung der Ernährung, des Lebensstils oder aufgrund einer Infektion, können die symbiotische Beziehung zwischen den Wirtsmikroorganismen und den Umweltmikroorganismen verändern und zu IBD führen.

IBD fördert die Bildung von Tumoren im Dickdarm. Geringfügige Entzündungen, die mit Veränderungen der Mikrobiota und Stoffwechselerkrankungen einhergehen, wurden auch in vielen Fällen von Darmkrebs beobachtet.

Emulgatoren und IBD

Frühere Studien gehen davon aus, dass seit Mitte des 20. Jahrhunderts Emulgatoren für IBD verantwortlich sein könnten. Untersuchungen des Teams an den Forschungslabors der Georgia State University zeigten, dass niedrige Konzentrationen von zwei gängigen Emulgatoren – Carboxymethylcellulose und Polysorbat-80 – bei Mäusen Entzündungen und Fettleibigkeit/Metabolisches Syndrom induzieren. (3)

Normalerweise wird der Darm durch die Schleimstrukturen, die den Darm bedecken, vor einer Vielzahl von schädlichen Bakterien geschützt und hält die schädlichen Bakterien von den Epithelzellen fern, die den Darm auskleiden. Aber Emulgatoren scheinen zu helfen, Bakterien über Epithelzellen zu transportieren.

Emulgatoren sind Detergenzien-ähnliche Moleküle, die modernen verarbeiteten Lebensmitteln zugesetzt werden, und sie werden verwendet, um Wasser und Öl zu mischen und verarbeiteten Lebensmitteln eine glatte Textur zu verleihen.

Beurteilung der Wirkung von Emulgatoren bei Mäusen

Eine neue Studie – geleitet von einigen Forschern am Institut für Biomedizinische Wissenschaften an der Georgia State University – stellte die Hypothese auf, dass Emulgatoren die Darmmikrobiota in einer Weise beeinflussen, die Darmkrebs fördert.

“Der dramatische Anstieg des Darmkrebses ist inmitten konstanter Humangenetik aufgetreten, was auf eine Schlüsselrolle für einen Umweltfaktor hindeutet”, sagt Benoit Chassaing, Assistenzprofessor am Institut für Biomedizinische Wissenschaften.

Das Team fütterte Mäuse mit den beiden häufigsten Zusatzstoffen, die auch mit Darmentzündungen und Stoffwechselerkrankungen in Verbindung gebracht wurden: Polysorbat 80 und Carboxymethylcellulose. Die Dosen wurden repliziert, um die Anteile dieser Emulgatoren zu widerspiegeln, die üblicherweise in verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind.

Emulgatoren verändern die Zusammensetzung der Darmbakterien

Forscher fanden heraus, dass eine Einnahme von Emulgatoren die Zusammensetzung der Darmmikrobiota stark verändert, und zwar in einer Weise, die Entzündungen fördert und ein günstiges Umfeld für die Entstehung von Krebs schafft.

Nach emulgatorbedingten Veränderungen zeigten die Bakterien im Darm mehr Flagellin und Lipopolysaccharid. Diese beiden Substanzen aktivieren die pro-inflammatorische Genexpression im Immunsystem.

Emulgatoren haben nicht nur das mikrobiotische Milieu entzündungsfördernd verändert, sondern auch das Gleichgewicht zwischen Zellproliferation und Zelltod, was die Tumorentwicklung fördert.

Die negativen Auswirkungen des Verzehrs von Emulgatoren verschwanden vollständig bei Mäusen, die keine Keime und damit keine Mikrobiota hatten. Die Forscher verpflanzten auch Mikroorganismen von Mäusen, welche Emulgatoren verzehrten, auf keimfreie Mäuse, und das war genug, um das Gleichgewicht in den Epithelzellen des Darms zu verändern.

Damit wird die zentrale Rolle der Mikrobiota bei der Tumorinduktion und -entwicklung weiter gestärkt. Diese Studie zeigt, dass Emulgatoren Veränderungen im Mikrobiom hervorrufen. Diese Veränderungen sind notwendig und ausreichend, um das Gleichgewicht in den Darmepithelzellen zu verändern.

Man geht davon aus, dass Veränderungen in den Epithelzellen das Auftreten und die Entwicklung von Tumoren verursachen. Diese Ergebnisse unterstützen die Vorstellung, dass eine Veränderung der Zusammensetzung der Darmmikrobiota zu einer Entzündung von geringer Qualität führt, die den Darmkrebs fördert.

Welche Mikrobiota für diesen Effekt verantwortlich sind und welcher Mechanismus den Krebs fördert, wird nun genauer untersucht.


—-> Erfahre hier mehr über einen natürlichen Aufbau der Darmflora <—-


Quelle