Studie: Pestizide können das Autismus-Risiko erhöhen

Studie: Pestizide können das Autismus-Risiko erhöhen

Pestizide und Autismus-Risiko

Eine bahnbrechende Studie, die im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, beschreibt einen Zusammenhang zwischen dem Pestizidspiegel im Blut einer Mutter und dem Autismus-Risiko bei ihren Kindern.

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die schätzungsweise 7 von 1000 Menschen in Europa betrifft. (1)

Obwohl der Zustand von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, sind die Symptome häufig wiederholtes Verhalten, Anpassungsschwierigkeiten und Probleme in sozialen Situationen.

Was genau Autismus verursacht und wie er sich entwickelt, steht noch zur Diskussion, aber es ist allgemein anerkannt, dass es ein Wechselspiel zwischen ökologischen und genetischen Faktoren gibt.

In der Autismusforschung sind viele Fortschritte erzielt worden – aber bis heute gibt es nur wenige definitive Antworten, und es gibt keine Heilung.

Vor kurzem hat sich eine Gruppe von Forschern auf den Weg gemacht, um zu untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Pestizide und dem Autismus-Risiko geben könnte. Insbesondere interessierten sie sich für Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT).

Wissenschaftler der Mailman School of Public Health der Columbia University in New York City, NY, haben sich mit Forschern der Universität Turku und des National Institute of Health and Welfare, beide in Finnland, zusammengetan. (2)

Was ist DDT?

Erstmals 1874 synthetisiert, tötet DDT eine Vielzahl von Krankheitserregern und wurde im Zweiten Weltkrieg zur Bekämpfung von Typhus und Malaria in Europa und im Südpazifik eingesetzt. Es ist ein so wirksames Pestizid, dass Typhus in einigen Teilen Europas fast ausgerottet wurde.

Bis 1945 war es in den USA und Europa erhältlich und in Privathaushalten und landwirtschaftlichen Betrieben weit verbreitet.

Es wurden jedoch wirksame, legitime Sicherheitsbedenken geäußert und DDT wurde schließlich in vielen Ländern verboten.

Doch nur das Verbot von DDT ließ die Chemikalie nicht verschwinden. DDT ist ein persistenter organischer Schadstoff, der über Jahrzehnte langsam abgebaut wird und leicht in die Nahrungskette gelangt. Im Laufe der Zeit bilden sich im Organismus, vor allem im Fettgewebe, Konzentrationen der Chemikalie.

Obwohl die genauen Auswirkungen einer langfristigen DDT-Belastung auf die menschliche Gesundheit noch nicht bestätigt sind, wird allgemein angenommen, dass es sich um einen endokrinen Disruptor und ein potentielles Karzinogen handelt. (3)

Da die kurzfristige Einwirkung des Pestizids als relativ sicher gilt, wird es immer noch zur Bekämpfung von Moskitos und anderen Schädlingen in Gebieten mit besonders hohen Malaria-Raten, wie zum Beispiel in bestimmten Teilen Afrikas südlich der Sahara, eingesetzt. (4)

Besorgniserregend ist, dass DDT die Plazenta durchdringen kann. Wenn eine Frau also bereits einen Teil des Pestizids trägt, kann es ihr ungeborenes Kind betreffen.

Um herauszufinden, ob DDT in irgendeiner Weise mit der Entwicklung von Autismus bei einigen Menschen zusammenhängt, verwendeten sie Daten aus einer finnischen pränatalen Autismusstudie.

Die Wissenschaftler analysierten Serumproben von mehr als 750 Kindern mit Autismus und einer großen Anzahl aufeinander abgestimmter Kontrollen ohne Autismus.

Die DDT-Autismus-Verbindung

Das Team ermittelte den Gehalt an Dichlordiphenyldichlorethen (DDE), einem Abbauprodukt von DDT. Sie fanden heraus, dass das Risiko, dass ein Kind Autismus entwickelt, um ein Drittel höher war, wenn seine Mutter einen erhöhten DDE-Spiegel im Blut hatte.

Ebenso verdoppelte sich das Risiko, dass ein Kind Autismus mit geistiger Behinderung hat, wenn die DDE-Werte der Mutter bei 75 Prozent oder mehr lagen.

Die Autoren schreiben, dass ihre Ergebnisse “den ersten biomarkerbasierten Beweis liefern, dass die mütterliche Belastung durch Pestizide mit Autismus bei Nachkommen verbunden ist”.

Man denkt an diese Chemikalien in der Vergangenheit, die in eine längst vergangene Ära der gefährlichen Toxine des 20. Jahrhunderts verbannt wurden. Leider sind sie immer noch in der Umwelt und in unserem Blut und Gewebe vorhanden”, sagt Dtudienleiter Dr. Alan S. Brown.

“Bei schwangeren Frauen”, bemerkt er, “werden sie an den sich entwickelnden Fötus weitergegeben. Zusammen mit genetischen und anderen Umweltfaktoren deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass eine pränatale Belastung durch das DDT-Toxin ein Auslöser für Autismus sein kann.”

Die Autoren stellen schnell fest, dass sie einen Zusammenhang aufgedeckt haben, der nicht als Kausalzusammenhang gilt. Nachdem sie jedoch auf verwirrende Faktoren wie das mütterliche Alter und frühere psychiatrische Zustände untersucht wurden, blieben die Ergebnisse signifikant.

Darüber hinaus wurde der Gehalt einer Industriechemikalie, der so genannten polychlorierten Biphenyle (PCB), gemessen. Obwohl frühere Studien Verbindungen zwischen PCBs und dem Autismus-Risiko gefunden hatten, fand diese Studie keinen solchen Zusammenhang. (5)

Da Autismus scheinbar immer häufiger auftritt, dürfte diese Forschung Aufmerksamkeit erregen. Wenn sich herausstellt, dass der Zusammenhang kausal ist, könnte die nächste Herausforderung darin bestehen, Wege zu finden, DDT sowohl aus der Umwelt als auch aus dem menschlichen Körper zu entfernen. Im Moment sind weitere Studien notwendig. (6)


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