Die Verbindung zwischen chronischen Fatigue Syndrom und Darmbakterien

Das chronische Fatigue Syndrom

Das chronische Fatigue Syndrom ist ein schlecht verstandener Zustand. Seine genauen Ursachen sind noch nicht bekannt. Bei der Vertiefung der medizinischen Forschung rückt die mögliche Beteiligung von Darmbakterien in den Vordergrund, was zeigt, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle spielen könnte.

Erst in den 1980er Jahren erhielt das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) endlich seinen offiziellen Titel und hat seither viel Aufmerksamkeit erregt.

CFS ist gekennzeichnet durch extreme Müdigkeit, die nicht an eine zugrundeliegende Pathologie gebunden werden kann, und bleibt eine schwer zu diagnostizierende und zu behandelnde Störung.

Weitere Symptome sind ein Verlust der kognitiven Leistungsfähigkeit, Schlafstörungen, vergrößerte Lymphknoten, Muskelschmerzen, Halsschmerzen und Gelenkschmerzen.

Auch bekannt als myalgische Enzephalomyelitis (ME) und in jüngster Zeit als systemische Anstrengungsintoleranzkrankheit, sind die Ursachen von CFS immer noch ein Rätsel.

Einige Forscher glauben, dass Virusinfektionen schuld sein könnten, einige weisen auf psychische Stressoren hin, und andere denken immer noch, dass es sich um eine hormonelle oder eine Fehlfunktion des Immunsystems handeln könnte.

Eine neue Studie, die in der Zeitschrift Microbiome veröffentlicht wurde, fragt, ob Darmbakterien eine Rolle spielen können. Diese Verbindung mag auf den ersten Blick unklar erscheinen. Bis zu 90 Prozent der Menschen mit CFS haben jedoch auch das Reizdarmsyndrom (IBS), was eine mögliche Beziehung besser vorstellbar macht. (1)

Bezug des Mikrobioms zu CFS

Forscher des Center for Infection and Immunity (CII) an der Mailman School of Public Health der Columbia University in New York untersuchten den Gehalt an verschiedenen Darmbakterien bei CFS-Patienten mit und ohne IBS. Ihre Studie ist eine der ersten, die die Beziehung des Mikrobioms zu CFS und IBS untersucht.

Die Studie untersuchte 50 Patienten, die aus vier Kliniken rekrutiert wurden, und 50 Patienten, die mit gesunden Kontrollen übereinstimmten. Sie untersuchten Stuhlproben auf Bakterienarten und nahmen Blutproben, um den Gehalt an Immunmolekülen zu bestimmen.

Bei der Analyse der Bakterienarten zeigte sich, dass viele von ihnen signifikant mit CFS assoziiert sind. Das waren:

  • Fäkalibakterium
  • Roseburie
  • Dorea
  • Coprococcus
  • Clostridium
  • Ruminokokken
  • Koprobazillus

Ihre kombinierte relative Häufigkeit wurde als Indikator für die Diagnose herangezogen. Andere Arten wurden auch in unterschiedlichen Stufen beobachtet, je nachdem, ob IBS neben CFS vorhanden war oder nicht.

Die wichtigsten Biomarker für CFS mit IBS waren erhöhte Konzentrationen von nicht klassifizierten Alistipes und verminderte Konzentrationen von Faecalibacterium. Die wichtigsten Biomarker für CFS ohne IBS waren erhöhte Konzentrationen von nicht klassifizierten Bacteroides und verminderte Bacteroides vulgatus.

Die Forscher sahen auch, dass die Schwere der Symptome der Teilnehmer – wie Müdigkeit und Schmerzen – mit bestimmten Bakterientypen und bestimmten Stoffwechselwegen korrelierte.

“Menschen mit CFS haben eine unterschiedliche Mischung aus Darmbakterien und damit verbundenen Stoffwechselstörungen, die die Schwere ihrer Erkrankung beeinflussen können.”

Bei den Immunmarkern wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt, obwohl die Autoren feststellen, dass dies möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass nur wenige Teilnehmer für einen kurzen Zeitraum CFS hatten.

Verständnis von CFS und Darmbakterien

“Unsere Analyse deutet darauf hin, dass wir Patienten mit CFS subtypisieren können, indem wir ihr fäkales Mikrobiom analysieren”, sagt Brent L. Williams, Co-Leiter und Assistenzprofessor für Pathologie und Zellbiologie am CII. “Die Subtypisierung kann Hinweise darauf geben, wie man Unterschiede in der Ausprägung von Krankheiten versteht.”

Obwohl eine Beziehung zwischen Darmbakterien und dem Gehirn ein Wendepunkt zu sein scheint, gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass es tatsächlich eine große Anzahl von Verbindungen zwischen den beiden gibt. Unser Darm sendet neuronale und hormonelle Signale an das Gehirn. Gleichzeitig produzieren Darmbakterien unzählige Nebenprodukte, die den Darm selbst beeinflussen.

Senior-Autor W. Ian Lipkin erklärt: “Ähnlich wie IBS kann CFS einen Zusammenbruch in der bidirektionalen Kommunikation zwischen Gehirn und Darm bedeuten, die von Bakterien, ihren Metaboliten und den Molekülen, die sie beeinflussen, vermittelt wird.”

Die Hoffnung ist, dass wir durch die Erforschung der Beziehung zwischen Darmflora und CFS mehr Einblick in einen Zustand gewinnen könnten, der bisher unserem Verständnis entzogen wurde. Lipton fährt fort: “Durch die Identifizierung der beteiligten Bakterien sind wir der genaueren Diagnose und der zielgerichteten Therapie einen Schritt näher gekommen.”


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