Vitamin B3 kann akute Nierenschäden behandeln und verhindern

Akute Nierenschäden

Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die orale Einnahme von Vitamin B3 bald ein wirksames Mittel zur Behandlung oder sogar zur Vorbeugung akuter Nierenschäden sein könnte.

Bei akuten Nierenschäden stellen die Nieren plötzlich ihre Funktion ein – meist als Folge von Komplikationen während eines Krankenhausaufenthaltes.

Etwa 10 Prozent der Erwachsenen, die in Deutschland stationär behandelt werden, entwickeln sie.

Obwohl meist nur vorübergehend, kann der Zustand tödlich sein.

Akute Nierenschäden entstehen, wenn sich Abfallprodukte im Blut ansammeln und die Nieren um einen guten Flüssigkeitshaushalt im Körper kämpfen. Senioren, Menschen, die bereits ins Krankenhaus eingeliefert wurden, und Patienten auf der Intensivstation sind besonders anfällig für diese Erkrankung.

Neue Untersuchungen unter der Leitung von Dr. Samir M. Parikh – einem Nierenspezialisten am Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston, MA – legen nahe, dass eine Form von Vitamin B3 verwendet werden kann, um akute Nierenschäden bei besonders gefährdeten Menschen zu verhindern.

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht. (1)

Niedrige Enzymwerte und akute Nierenschäden

Dr. Parikh und sein Team untersuchten den Stoffwechsel von Mäusen mit akuten Nierenschäden. Urintests ergaben niedrigere Werte einer Substanz namens Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD+). NAD+ ist die letzte metabolisierte Form von Vitamin B3, nachdem das Vitamin eingenommen wurde.

Auch die Tests zeigten hohe Niveaus einer anderen Substanz, die Chinolinat genannt wird, das ein Vorläufer von NAD+ ist. Die Forscher schlussfolgerten aus den Ergebnissen, dass ein Enzym, das normalerweise Chinolinat in NAD+ umwandelt, gestört sein könnte. Dieses Enzym heißt QPRT.

Um ihre Hypothese zu testen, nutzten die Forscher die Gentechnik, um Mäuse herzustellen, die das QPRT-Enzym reduziert hatten, deren Nieren aber ansonsten gesund waren.

Die Mäuse zeigten bald Symptome einer akuten Nierenschädigung, einschließlich reduzierter NAD+-Werte und höherer Chinolinat-Werte.

Die Ergebnisse, so die Wissenschaftler, “etablierten QPRT als Vermittler der Nierenstress-Resistenz”.

Vitamin B3-Behandlung: Sicher und vorteilhaft

Dann führten die Forscher vier Humanstudien durch, um zu untersuchen, ob Chinolinat verwendet werden kann, um eine reduzierte NAD+ Biosynthese anzuzeigen.

Sie entdeckten, dass die Patienten, die sich einer größeren Operation unterzogen hatten und daher anfällig für akute Nierenschäden waren, einen hohen Gehalt an Chinolinat in ihrem Urin hatten.

Außerdem verabreichten die Forscher 41 Personen, die sich einer Herzoperation unterzogen hatten, große Dosen Vitamin B3.

“Unsere Ergebnisse”, erklärt der Co-Autor der Studie, Dr. Kamal Khabbaz, Leiter der Herzchirurgie am CardioVascular Institute am BIDMC, “legen nahe, dass die NAD+ Biosynthese während einer akuten Nierenschädigung beeinträchtigt wird und dass eine Erhöhung des Vitamin B3-Spiegels für den Patienten sicher und potenziell vorteilhaft sein kann”.

“Darüber hinaus”, so Dr. Khabbaz weiter, “haben wir gezeigt, dass Harnuntersuchungen bei Risikopatienten auf diese Beeinträchtigung hindeuten und darüber hinaus negative Ergebnisse vorhersagen können.”

“Die Wiederherstellung von NAD+ könnte einen wichtigen Fortschritt für Patienten mit akutem Nierenversagen darstellen, obwohl weitere Studien erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu verifizieren”, schließt Dr. Khabbaz.

Dr. Parikh reflektiert die gleiche Vorsicht und sagt: “Diese Befunde sind recht jung, aber die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir eines Tages einen nicht-invasiven Test für den NAD+-Status durchführen und vielleicht sogar akute Nierenschäden behandeln könnten, indem wir den NAD+-Spiegel erhöhen”.

Die Forscher konnten einen Rückgang von NAD+ im Urin von Hochrisikopatienten feststellen, die sich entweder auf der Intensivstation oder in einer größeren Operation befanden. Sie fanden außerdem heraus, dass orales Vitamin B3 den NAD+ Wert bei Hochrisikopatienten sicher erhöhen kann.


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