Studie: Ein Schlaganfall erhöht das Demenzrisiko signifikant

Studie: Ein Schlaganfall erhöht das Demenzrisiko signifikant

Schlaganfall und Demenz in Zahlen

In der größten Studie ihrer Art kommen die Forscher zu dem Schluss, dass ein Schlaganfall das Demenzrisiko verdoppelt.

Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein neuer Schlaganfall, alle neun Minuten stirbt ein Schlaganfall-Patient. In etwa 270.000 Menschen sind jährlich betroffen. (1)

Ein Schlaganfall ist die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Demenz, eine scheinbar unverbundene neurologische Erkrankung, betrifft etwa 1,55 Millionen Menschen in Deutschland. (2)

Studien haben in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen Schlaganfall und einem erhöhten Demenzrisiko gezeigt. Bislang konnte jedoch nicht genau abgeschätzt werden, wie stark das Risiko steigt. (3)

Da das Durchschnittsalter der Deutschen steigt und die Überlebenschancen von Schlaganfällen zunehmen, wird es immer wichtiger zu wissen, wie groß das Risiko ist. Je besser wir die Faktoren verstehen, die die Demenz beeinflussen, desto größer ist die Chance, dass wir Wege finden, das Risiko zu reduzieren.

Schlaganfall und Demenzrisiko

Kürzlich analysierten Forscher eine Reihe von früheren Studien, um fundiertere Schlussfolgerungen über die möglichen Zusammenhänge zwischen Schlaganfall und Demenz zu ziehen.

Wissenschaftler der University of Exeter Medical School in Großbritannien haben jetzt ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Alzheimer’ s & Dementia veröffentlicht: Die Zeitschrift der Alzheimer’s Association. (4)

Unter der Leitung von Dr. Ilianna Lourida nahm das Team Informationen aus 48 Studien auf, die Daten von rund 3,2 Millionen Teilnehmern enthielten. Dies ist die größte Meta-Analyse ihrer Art, die eine klare Verbindung zwischen den beiden Bedingungen herstellt.

Die Forscher stellten fest, dass ein Schlaganfall das Demenzrisiko um etwa 70 Prozent erhöht, und die jüngsten Schlaganfälle haben das Risiko mehr als verdoppelt.

Die Ergebnisse blieben auch nach der Kontrolle bekannter Demenz-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes signifikant.

Dr. Lourida erklärt, warum ihre Ergebnisse wichtig sind: “Angesichts der Häufigkeit von Schlaganfall und Demenz ist diese starke Verbindung eine wichtige Erkenntnis. Verbesserungen in der Schlaganfallprävention und der Nachsorge können daher eine Schlüsselrolle bei der Demenzprävention spielen.”

Zukünftige Forschung und Erkenntnisse

Die Autoren identifizierten Unterschiede im Risiko zwischen den einzelnen Studien. Sie glauben, dass dies auf die vom Schlaganfall betroffene Region des Gehirns und den Schaden im Gewebe zurückzuführen ist.

Das Team glaubt auch, dass ein erhöhtes Demenzrisiko nach einem Schlaganfall bei Männern stärker ausgeprägt sein könnte. Dazu bedarf es jedoch noch weiterer Forschung, um dies zu klären.

Die Autoren hoffen, dass Wissenschaftler diese Linie der Untersuchung fortsetzen und andere Faktoren identifizieren, die beteiligt sein könnten. So spielen zum Beispiel Ethnizität und Bildung eine Rolle beim Demenzrisiko, so dass das Verständnis, wie ein Schlaganfall das Risiko in verschiedenen Bevölkerungsgruppen verändern könnte, nützlich wäre. (5)

Der Co-Autor der Studie, Dr. David Llewellyn, schlussfolgert: “Rund ein Drittel der Demenzfälle gilt als potenziell vermeidbar, obwohl diese Schätzung das mit einem Schlaganfall verbundene Risiko nicht berücksichtigt”.

“Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Zahl noch höher sein könnte, und verstärken die Bedeutung des Schutzes der Blutversorgung des Gehirns bei dem Versuch, die globale Belastung durch Demenz zu verringern.”

Da Schlaganfall und Demenz in Europa so weit verbreitet sind, ist es wichtiger denn je, die Beziehung zwischen den beiden zu verstehen. Es gibt noch viel zu lernen, aber die neue Studie ergänzt unser Wissen erheblich.


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