Bluthochdruck: Könnte Lärm ein Risikofaktor sein?

Bluthochdruck: Könnte Lärm ein Risikofaktor sein?

Bluthochdruck und Lärm

Eine aktuelle Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen beruflichem lärmbedingtem Hörverlust und Bluthochdruck. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die chronische Lärmbelastung das Risiko für Bluthochdruck erhöht.

Dem neuen Dokument zufolge haben weltweit mehr als 600 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz, der sie einem gefährlichen Lärmpegel aussetzt.

Diese hohe Zahl macht die Lärmbelastung zu einer der häufigsten Gefahren am Arbeitsplatz. (1)

Demzufolge ist der arbeitsbedingte lärmbedingte Hörverlust die häufigste berufsbedingte Erkrankung in Europa.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler gezeigt, dass die Lärmbelastung nicht nur das Hören beeinflusst.

So kamen Studien zu dem Schluss, dass die Exposition gegenüber Lärm die kardiovaskuläre Gesundheit und sogar die Verdauungsgesundheit negativ beeinflussen kann.

Die Autoren der aktuellen Studie, die in PLOS ONE veröffentlicht wurde, haben die Auswirkungen auf den Bluthochdruck untersucht. (2)

Lärmbelastung und Blutdruck

Derzeit leiden mehr als 100 Millionen Erwachsene an Bluthochdruck. Schon aus diesem Grund ist es wichtig, alle Faktoren zu verstehen, die das Risiko erhöhen könnten.

Frühere Studien haben den Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Bluthochdruck untersucht, aber bisher waren die Ergebnisse inkonsistent. Die Autoren der aktuellen Studie sind der Ansicht, dass dies zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass es schwierig ist, die Gesamtlärmbelastung über Jahrzehnte zu quantifizieren.

Um dieses Problem anzugehen, verwendeten die Forscher Hörverlust als Marker für die Lärmbelastung. Die Autoren erklären:

“Mehrere Studien haben berichtet, dass bilateraler Hochfrequenz-Hörverlust (BHFHL) mit der kumulativen Lärmbelastung am Arbeitsplatz verbunden ist, und BHFHL kann als früher Biomarker für die tatsächliche persönliche Belastung durch Arbeitslärm dienen.”

Die Wissenschaftler hatten Zugang zu Daten von 21.403 Arbeitnehmern mit beruflicher Lärmbelastung und einem Durchschnittsalter von 40 Jahren. Diese Informationen stammen aus einer Umfrage unter Arbeitern in Chengdu, Provinz Sichuan, in China.

Im Rahmen der Umfrage bewerteten die Funktionäre verschiedene Gesundheitsmetriken mit audiometrischen Tests und Blutdruckmessungen.

Eine signifikante Verbindung

Wie erwartet, stieg die Prävalenz von Hörverlust mit der Anzahl der Jahre, in denen die Teilnehmer mit der Lärmbelastung am Arbeitsplatz beschäftigt waren.

Insgesamt fanden die Forscher heraus, dass Arbeitnehmer mit “mildem und hohem BHFHL ein erhöhtes Bluthochdruckrisiko von 34% bzw. 281% hatten”.

Die Autoren folgern:

“Die vorliegende Studie deutet darauf hin, dass die Lärmbelastung am Arbeitsplatz positiv mit dem Risiko Bluthochdruck verbunden ist.”

Sie berichten auch, dass ein “Dosis-Wirkungs-Verhältnis zwischen BHFHL und Bluthochdruck sowohl bei Männern als auch bei Frauen gefunden wurde”.

In dieser Studie fanden die Autoren heraus, dass der Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Bluthochdruck bei Männern am deutlichsten war. Sie glauben, dass dies daran liegen könnte, dass “männliche Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz in der Regel einer höheren Lärmintensität ausgesetzt sind als weibliche Arbeitnehmer”.

Stärken und Grenzen

Die große Stichprobengröße dieser Studie verleiht den Ergebnissen Gewicht. Ebenso nutzten die Wissenschaftler sowohl BHFHL als auch die Arbeitsdauer zur Beurteilung der Lärmbelastung. Die Autoren glauben, dass dieser Tandemansatz “die Effektivität und Glaubwürdigkeit der Ergebnisse durch gegenseitige Bestätigung stärken könnte”.

Es gibt jedoch einige Defizite. Zum einen, wie die Autoren erkennen, ist es aufgrund des Querschnitts der Studie – das heißt, dass das Team die Teilnehmer nicht über die Jahre verfolgt hat – nicht möglich, Ursache und Wirkung nachzuweisen.

Außerdem stellen die Autoren fest, dass ihre Analyse nicht für einige Variablen, die das Bluthochdruckrisiko beeinflussen, verantwortlich gemacht werden konnte. Dazu gehören Body-Mass-Index (BMI), Raucherstatus, Alkoholkonsum und psychologische Faktoren.

Darüber hinaus besuchten die Forscher keine Arbeitsplätze, um den tatsächlichen Lärmpegel zu beurteilen, und sie hatten keine Informationen darüber, ob die Teilnehmer Gehörschutz tragen.

Obwohl diese Studie zu dem Schluss kommt, dass die Lärmbelastung den Blutdruck beeinflusst, haben andere Studien nicht den gleichen Zusammenhang gefunden. Trotz der Größe dieser Studie müssen die Wissenschaftler mehr tun, bevor die Lärmbelastung zu einem offiziellen Risikofaktor für Bluthochdruck wird.


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