Schlaganfall: Patienten können von der magnetischen Hirnstimulation profitieren

Schlaganfall: Patienten können von der magnetischen Hirnstimulation profitieren

Die magnetische Hirnstimulation

Eine neue Meta-Analyse bestehender Studien zeigt, dass eine Technik namens repetitive transkranielle Magnetstimulation ein nützliches Werkzeug sein könnte, um den Überlebenden eines Schlaganfalls zu helfen, wieder selbstständig zu gehen. (1)

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist eine nicht-invasive Technik der Hirnstimulation. Magnetspulen werden auf der Kopfhaut einer Person platziert und kurze elektromagnetische Impulse werden über die Spule an bestimmte Hirnareale abgegeben.

Obwohl diese Impulse nur ein kaum wahrnehmbares “Klopfen oder Tippen” beim Patienten verursachen, greifen sie ins Gehirn und lösen elektrische Ströme aus, die Neuronen stimulieren.

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation wurde hauptsächlich zur Behandlung von Psychosen, Depressionen, Angstzuständen und anderen Stimmungsstörungen mit einem gewissen Grad an Erfolg eingesetzt.

In einer aktuellen Studie berichteten mehr als ein Drittel der Menschen, die mit akustischen Halluzinationen – einem Marker für Schizophrenie – leben, über eine Verringerung ihrer Symptome nach dem Eingriff.

Doch auch das Potenzial der Technik zur Verbesserung des Lebens nach einem Schlaganfall wurde erforscht.

Vor vier Jahren beispielsweise hat ein Forscherteam des Ohio State University Wexner Medical Center in Columbus rTMS eingesetzt, um die Armbewegung bei Menschen zu verbessern, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Seitdem haben weitere Studien dieses therapeutische Potenzial untersucht.

Ein Team von Forschern – gemeinsam geleitet von Dr. Chengqi He von der Sichuan University in der Volksrepublik China und Shasha Li vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School, beide in Boston, MA – machte sich daran, diese Studien zu überprüfen.

Dr. He und Kollegen wollten sehen, ob die Technik die motorischen Fähigkeiten von Menschen mit Schlaganfall verbessert. Dazu untersuchten die Forscher den Einfluss von rTMS auf die Schrittgeschwindigkeit, das Gleichgewicht und andere Schlüsselfaktoren für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall.

Die Ergebnisse wurden im American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation, dem offiziellen Journal der Association of Academic Physiatrists, veröffentlicht. (2)

rTMS verbessert deutlich die Schrittgeschwindigkeit

Dr. He und sein Team prüften neun Studien zu rTMS – darunter fünf randomisierte kontrollierte Studien -, die zwischen 2012 und 2017 veröffentlicht wurden.

Die Studienteilnehmer hatten entweder einen ischämischen Schlaganfall – also einen Schlaganfall, der durch ein Blutgerinnsel in einer der Hirnarterien verursacht wurde – oder einen hämorrhagischen Schlaganfall – also einen, der durch Blutungen im Gehirn verursacht wurde.

Von den neun Studien enthielten sechs Daten über die Schrittgeschwindigkeit von 139 Schlaganfall-Überlebenden. Die Forscher führten eine gemeinsame Analyse dieser Studien durch, und die Ergebnisse zeigten, dass rTMS “die Schrittschwindigkeit signifikant verbessert”.

Diese Verbesserung war bei Menschen, die die Stimulation auf der gleichen Seite des Gehirns wie der Schlaganfall erhielten, größer. Diejenigen, die rTMS auf der Gegenseite erhielten, sahen dagegen keine Verbesserung.

Weitere wichtige Gesundheitsfaktoren für Überlebende von Schlaganfällen wie Gleichgewicht, Motorik oder Reaktionsfähigkeit des Gehirns zeigten keine Verbesserung durch rTMS.

Laut der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, erleiden rund 260.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall, was die Krankheit zu einer der Hauptursachen für eine langfristige Behinderung in Deutschland macht. Mehr als die Hälfte der Senioren, die einen Schlaganfall überlebt haben, sind dadurch in ihrer Mobilität eingeschränkt. (3)

Obwohl die Überprüfung zeigt, dass rTMS eine vielversprechende Strategie zur Wiederherstellung des unabhängigen Gehens ist, sagen die Autoren, dass mehr Forschung notwendig ist. Dr. He und Kollegen schließen:

“Zukünftige Studien mit größeren Stichprobengrößen und einer angemessenen Nachbeobachtungszeit sind erforderlich, um die Auswirkungen von rTMS auf die Funktion der unteren Extremitäten und deren Zusammenhang mit Veränderungen der kortikalen Erregbarkeit mit Hilfe funktioneller Neuroimaging-Techniken weiter zu untersuchen”.

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